Baum-mobil-Anwendung in der Gemeinde Borsdorf
POLYGIS-Anwendung

vis à gis 4/2008

Fachthema vom 11.01.2010

IAC mbH Leipzig - ... wir machen Geodaten schnell nützlich mit POLYGIS


RFID-Anwendung in der Gemeinde Borsdorf - Einer wie Keiner
Wappen der Gemeinde Borsdorf

In Borsdorf hat man den Nagel auf den Kopf getroffen – oder besser gesagt: in den Baum. Kleine Kunststoffstifte machen jeden Baum der kleinen Gemeinde am Rande der sächsischen Metropole Leipzig zum Innovationsträger. RFID-Technologie heißt das Zauberwort, das die exakt 1547 Alleenbäume zu unverwechselbaren Objekten macht. Mit dem Einsatz dieser Technik schließt die zukunftsorientierte Gemeinde die letzte Lücke in der digitalisierten Baumverwaltung und stellt klar: In Borsdorf gleicht kein Baum dem anderen.

Komplett digitale und vernetzte Prozesse in der Kommunalverwaltung – das ist die Vision der 8400-Seelen-Gemeinde Borsdorf. Sie möchte informationstechnologische Möglichkeiten ausschöpfen und somit ihre Arbeitsprozesse optimieren – nicht nur zum Wohle der Verwaltung selbst, sondern vor allem auch im Sinne der Bürger.

Der Baumbestand einer Kommune muss regelmäßig überprüft und gepflegt werden. Das erfordern die Verkehrssicherungspflicht sowie die Baumschutzverordnung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, machten sich die zuständigen Mitarbeiter bislang mit Stift und Papier bewaffnet auf den Weg zu den Bäumen. Vor Ort notierten sie händisch ihre Beobachtungen. Zurück in der Verwaltung mussten diese allerdings noch ins GIS überführt werden.

Dies war in den meisten Fällen nicht nur zeitraubend, sondern barg auch die Gefahr von Übertragungsfehlern und Baumverwechslungen. Dieser Umstand störte bis vor Kurzem auch Andreas Burkhard, der beim Ordnungsamt Borsdorf unter anderem für die Überwachung und Pflege des Baumbestandes zuständig ist. Mittlerweile führt er bei seinen Kontrollgängen ein mobiles Lesegerät (PDA) und kleine baumverträgliche Kunststoffnägel mit sich, von denen er nach und nach einen in die Rinde eines jeden Baumes bohrt. In diesen sogenannten Tags befinden sich wasserfeste Mikrochips, die mit einer eindeutigen Kennung (ID) versehen sind und den Baum somit unverwechselbar machen. Der Chip kommuniziert mittels der RFID-Technologie mit dem Lesegerät, welches die ID des Baumes erkennt. Identifiziert das Gerät den Chip, öffnet sich automatisch eine Maske, auf der die aus dem Baumkataster übernommenen Stammdaten zu dem jeweiligen Baum zu sehen sind. Solche feststehenden Daten sind unter anderem Baumart, Pflanzjahr und Baumnumer. Stellt der Mitarbeiter vor Ort zusätzlich variable, sich verändernde Merkmale fest, hat er die Möglichkeit, diese ebenfalls in die Maske einzutragen oder zu aktualisieren. Dies betrifft beispielsweise Angaben zu abgestorbenem Astwerk oder dem Schädigungsgrad des Baums. Anhand des aktuellen Baumzustandes entscheidet der Verwaltungsangestellte, ob und welche Maßnahmen zur Baumpflege durchzuführen sind. Diese kann er ebenfalls direkt vor Ort auf seinem PDA eintragen. Zurück im Büro werden die erhobenen Daten mithilfe einer Synchronisationssoftware an den Server übermittelt und fließen automatisch in die POLYGIS-Fachanwendung Baum ein. Vor der nächsten Begehung markiert Burkhard in der POLYGIS-Karte die Bäume, die er sich ansehen möchte und überträgt die Daten wiederum auf sein Handgerät, um sie vor Ort zu überprüfen.

Andreas Burkhard von der Gemeinde Borsdorf

Ob bei Außenterminen oder am Schreibtisch - der PDA unterstützt Andreas Burkard bei der Baumdatenpflege.

Vorteile durch die neue Technologie sieht er nicht nur in der reinen Präzisierung und der Unverwechselbarkeit des Datenbestandes, sondern vor allem auch in der dadurch optimierten Zusammenarbeit mit anderen Gemeindeeinrichtungen. Da beispielsweise der Bauhof, der in diesem Fall für das Schneiden der Kronen oder Entfenen toten Astmaterials zuständig ist, ebenfalls auf die POLYGIS-Fachanwendung zugreifen kann, entfallen langwierige Abstimmungs- und Kontrollprozesse. Die Arbeiter sehen im System, welche Maßnahmen zu ergreifen sind und tragen wiederum dort ein, wenn sie diese durchgeführt haben. Auch Anträgen von Bürgern zum Baumfällen kann Burkhard dank der perfekten Datenlage nun schneller folgen. „Mit dieser Methode ist die Arbeitsersparnis im Bereich der Baumverwaltung enorm“, freut sich der Ordnungsamtsmitarbeiter und bemerkt weiter: „In solch hoher Qualität wie jetzt lagen noch nie Daten über Bäume vor.“

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letzte Änderung am 29.01.2010